Dienstreise DED Windhoek, Namibia

Ein kleiner Kurztrip brachte mich nach Windhoek, Hauptstadt von Namibia. Nur drei Tage war ich hier tätig. Ankunft am 16.09. um ca. 9.45 am Flughafen von Windhoek. Der Flughafen liegt etwa 40 KM außerhalb der Stadt - rein Gefühlsmäßig im Nichts - oder besser gesagt in einer weiten afrikanischen Steppe. Das Flughafengebäude macht einen sehr modernen Eindruck, ebenso wie die tadellose Teerstraße nach Windhoek. Georg Schmidt, von seinen Kollegen als der "Schwabe" bezeichnet, holte mich mit seiner neuen Kollegin Diana Kyd-Rebenburg vom Flughafen ab.

Windhoek entpuppte sich als relativ kleine, aber außerordentlich saubere Stadt. Ich war wirklich erstaunt. Kein Unrat verschmutzt die Straße. Überall sieht es so aus, als wäre gerade erst gekehrt worden. Manuel, ein Kollege auf den ich später noch zu schreiben komme, meinte dazu, dass die Stadt als sauberste Stadt Afrikas bekannt sei. Eine funktionierende Müllabfuhr, die auch an Feiertagen arbeitet, wurde hierfür als wesentlicher Grund identifiziert.

Einige große Gebäude - Hochäuser - ergeben eine kleine aber ansehnliche Skyline. An den Rändern der Stadt erklimmen die Häuser die aufsteigenden Hügel. Parlament (auch Tintenpalast genannt) und Christuskirche sind wichtige Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Die Straßen um den Sitz des Präsidenten waren gesperrt worden - um die Nachtruhe desselben zu sichern, wie Manuel später spaßeshalber meinte. Tatsächlich ist Nachtruhe aber kein großes Problem. Schon gegen 10 Uhr werden die Bordsteine hochgeklappt - d.h. die Straßen sind größtenteils leer und ruhig. Das Nachtleben konzentriert sich in einige wenige Lokalitäten. Das Gesamtbild verspricht eher einen Geruhsamen Aufenthalt.

Der erste Ortstermin ist eher sozialer Art - wir fahren in die Hans Seidel Foundation - Namibia, wo Wolfgang Kleine anlässlich seines Geburtstags ein Weißwurst Frühstück veranstaltet. Dies war jedenfalls eine adequate Einstiegsveranstaltung für einen Passauer ;-). Auch das Weißbier hat natürlich nicht fehlen dürfen. Zum Glück wurde es in handlichen 0.3 Liter Flaschen serviert, den sehr viel mehr wäre dem nun folgenden Arbeitstag sicher nicht gut bekommen.

Direkt nach dem Weißwurst Frühstück fuhren wir in das Büro des deutschen Entwicklungsdienstes und begannen unsere kleine Arbeitsrunde mit dem Thema Wissensmanagement im DED Namibia. Primäres Ziel des Treffens war ein Abgleich der Tätigkeiten des DED Südafrika und des DED Namibia in Fragen des Wissensmanagements. Georg ist schon seit über 2 Jahren in Namibia und hat dort den Bereich Wissensmanagement bisher aufgebaut. Seine neue Kollegin Diana wird nun einige Aufgaben in diesem Bereich übernehmen und Georg, der mittlerweile auch eine Reihe anderer Verpflichtungen hat, etwas entlasten. Wie zu erwarten, ist der Bereich WM in Namibia entsprechend gut aufgestellt. Bisherige primäre Arbeitsfelder war Information Management und interne Kommunikation.

Die besondere Situation im DED Namibia ist die gute Internetverbindung, über welche die Entwicklungshelfer praktisch im ganzen Land verfügen. Dies ermöglichte eine rein webbasierte Dokumentenablage - unter Nutzung der DED Landesportalsite für Namibia. Eine Offlinelösung war bisher weder nötig noch angedacht. Die so entstandene Onlineablage ist schon jetzt ein sehr gutes Beispiel für eine effektive Nutzung der Landesteamsite - insbesondere im Hinblick auf die Einbindung der Mitarbeiter in den Pflegeprozess der Teamsite. Hier werde ich mir einiges für die Entwicklung der Landesportalsite in Südafrika abschauen.

Ein interessantes und eher neues Thema für Namibia war die Frage der Erstellung von Wissensprodukten bzw. besser gesagt von Artefakten aus den gemachten Lernerfahrungen in Projekten. Hier hat die DED Zentrale gezielt nach Lernerfahrungen gefragt, und damit bereits Wissensziele vorgegeben. Die unterschiedlichen Möglichkeiten, diese ja zweifelsohne vorhandenen Lernerfahrungen nun zu dokumentieren waren somit eines der zentralen Themen. Dabei haben wir gemeinsam ein System von Quaterly Reports angedacht, in welchen die Entwicklungsmaßnahmen in sehr kurzer und knapper Form (vielleicht max. 2 Seiten) über Verlauf mit Fokus auf Lernerfahrungen berichten könnten. Dieser Bericht wäre eine gute Grundlage für Diskussionen in Fachgruppen, in denen wiederrum Wissensziele definiert werden könnten. Mit Wissenszielen ist hier die konkrete Vereinbarung von Prozessen der Dokumentation von Lernerfahrungen gemeint. Im DED gibt es derzeit 3 Instrumente für die Dokumentation von Lernerfahrungen: Mikroartikel, Erfahrungsberichte und Lessons Learnt Workshops. Diese können natürlich miteinander kombiniert werden bzw. verwoben sein. In den Fachgruppen könnte entschieden werden, ob und welche Aktivitäten für Erfahrungsdokumentation durchgeführt werden sollen. Auf diese Weise wäre es denkbar, dass ein beständiger Fluss von dokumentierten Lernerfahrungen entstehen.

Schließlich haben wir uns in etlichen weiteren Instrumenten abgeglichen und auch eine Reihe von Kooperationsfelder gefunden. Das Rad nicht immer neu erfinden gilt schließlich gerade für uns Wissensmanager. Insgesamt haben wir gemeinsam sechs Umsetzungsmaßnahmen definiert, mit Koordinatoren und dem Landesdirektor Achim Mortier abgesprochen und dann in Umsetzungsplänen ausformuliert.

Eine weitere Aktion war die Einrichtung einer weltwaerts-und-weiter.de Blogseite für Namibia gemeinsam mit der Mitarbeiterin Janina Hentschel für das weltwärts Programm. Jetzt sind wir hier auch schon 6 Länder, die diesen Blog pflegen möchten - wir müssen es nur noch richtig ins Laufen bringen.

Der Besuch in Namibia war für beide Seiten äußerst hilfreich und ist eine gute Basis für eine künftig noch engere Kooperation im Bereich WM.

Übernachtet habe ich in Namibia in der Hotel Pension Christoph. Durchaus nette Pension mit Swimming Pool, gutem Frühstück und allem, was man sich für den Business Trio so wünscht. Die beiden Abende in Windhoek konnte ich jeweils in netter Gesellschaft verbringen. Am ersten Abend sind wir für einen Sundowner in die Winebar gegangen. Fantastische Location mit Ausblick über Windhoek und der untergehenden Sonne (siehe Fotos unten). Dort haben wir ein paar nette Leute getroffen, die gerade in Namibia und Botswana auf Hochzeitsreise waren und einige lustige Geschichten über diverse Erlebnisse mit Geländewagen und Busch zu berichten wussten. Später waren wir zum Essen in einem Restaurant namens "La Marmite". Dort gab es fantastisches Game Steak! Am zweiten Abend hatte ich Gelegenheit einen alten Kollegen aus der Vorbereitung im Ausland wiederzutreffen - Manuel Strack. Wir waren in Joes Beerhouse. Dies ist wohl eine der berühmteren Locations in Windhoek, die auch in jedem Reiseführer zu finden ist. Dementsprechend voll war es auch. Das Essen und der Service waren dennoch gut. Ich hatte mir eine Spieß mit unterschiedlichen Arten Wildfleisch gegönnt, unter anderem auch Zebrafleisch. Der Abend war dann gefühlt mit den unterschiedlichen Erlebnissen, die Manuel und ich in den letzten eineinthalb Jahren gemacht hatten - sowohl aus dem privaten als auch aus dem Arbeitsleben.

Schließlich hieß es wieder Abschied sagen zu dem schönen und so anderem Namibia.

Afrika für Einsteiger wird es ja häufig genannt. Diesen Eindruck hat zumindest Windhoek auch bei mir hinterlassen. Sobald man jedoch die Stadt verläßt und sich mit dem Allrad ins Hinterland begibt, wird auch hier Können gefragt - sowohl in der Fahrkunst als auch in der Improvisationskunst. Überrascht hat mich die starke Unterteilung von kommerziellem Farmland und Gemeindeland in Namibia. Der größte Teil Namibias gehört Farmern. Entsprechend sieht man außerhalb Windhoeks auch lauter Zäune, die das Land abstecken. Sieht man davon eine Karte, dann wird einem bewusst, wie stark verteilt das gesamte Land schon ist. Erst nördlich des Veterinärszaunes beginnt das Gemeindeland. Der Veterinärszaun soll wie ein Übergang von der einen in eine völlig andere Realität scheinen - so wurde es mir berichtet. In dieser Reise hatte ich leider keine Gelegenheit, das auszukundschaften. Ein weiterer Punkt von Interesse sind die bekannten Städte am Atlantik: Swakopmund und Walvis Bay. Dort soll man zu bestimmten Jahreszeiten Walfische beobachten können. Mindestens ein Grund, wieder zu kommen....

Anschließend eine kleine Sammlung von Fotos aus meinem Namibia Aufenthalt (die Fotos sind diesmal leider keine fotografische Erleuchtung - eher was für insider, die wissen wollen, wo ich mich so rumtreibe ;-)):

Date: 
Wed, 2009-09-16 - Fri, 2009-09-18

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